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   Stadtplanungsamt Freiburg, den 31.03.2009  Abt. Stadtentwicklung Tel.:0761-74882/Herr Kemnitz

Neue Wohnformen Auswertung einer Umfrage

in Großstädten ab 100.000 Einwohnern im August 2008

1. Anlass der Umfrage (Ausgangssituation)

Wir beobachten seit mehreren Jahren, dass die klassische Kernfamilie – eine Familie mit Vater, Mutter und 2 oder 3 Kindern – als früher wichtigstes Haushaltsmodell auf dem Wohnungsmarkt immer mehr an Bedeutung verliert.

In vielen Städten haben die 1-Personenhaushalte schon seit längerer Zeit die 50%-Schwelle überschritten und erreichen zusammen mit den 2-Personen-Haushalten oft schon mehr als 70% bis 75% der Haushalte (in Freiburg 52 % bzw. 20 % = 72%).
Diese Entwicklung steht in engem Zusammenhang mit dem sich immer stärker auswirkenden demografischen Wandel – hier insbesondere dem Älter werden der Bevölkerung – aber auch mit deutlichen Werteverschiebungen in der Gesellschaft in
Bezug auf Partnerschaft, Kinder, Zusammenleben, Wohnung und Wohnumfeld. Wir wissen weiterhin aus demografischen Scenarien, dass wir insgesamt weniger, bunter, älter, ärmer, individueller und möglicherweise auch einsamer werden.
Um rechtzeitig auf die künftigen Nachfragen auf dem Wohnungsmarkt reagieren zu können, ist es wichtig, dass wir wissen, welche Auswirkungen diese gleichzeitig ablaufenden Entwicklungen und Veränderungen auf unsere Ansprüche an das Wohnen, an die Wohnung selber, an das Wohnumfeld und auf das Stadtquartier – aber auch auf die künftigen Formen des Zusammenlebens haben.

Aus vielen Städten ist – quasi als natürliche Gegenbewegung zu der beschriebenen Singularisierung der Stadtbewohner – von immer mehr Initiativen und realisierten Projekten mit neuen, meist gemeinschaftlichen Wohnformen zu hören: Die Spanne reicht hier von Generationsübergreifendem Wohnen und Wohngemeinschaften im Alter bis hin zur Wohngemeinschaft von Künstlern oder Wohngemeinschaften von Gesunden mit Demenzkranken.
Die Stadt Freiburg wollte sich in dieser Situation über eine Umfrage darüber informieren, wie andere Städte das Thema „Neue Wohnformen“ behandeln, welche Strategien und Unterstützungsmaßnahmen für diese Wohnformen entwickelt wurden und welche Projekte bereits erfolgreich umgesetzt wurden – oder aber auch in der Vergangenheit weniger erfolgreich waren oder sogar gescheitert sind.
Aus diesem Anlass hatte das Stadtplanungsamt der Stadt Freiburg im August 2008 einen 2-seitigen Fragebogen entwickelt (siehe Anlage 1), mit dem alle Städte über 100.000 Einwohner gebeten worden waren, ihre Erfahrungen und ihre Maßnahmen im Zusammenhang mit neuen Wohnformen anhand von 5 Fragen darzulegen.

2. Abstimmung mit dem Deutschen Städtetag (Köln)

Auf Grund der Aktualität dieses Themas hat sich der Deutsche Städtetag freundlicherweise bereit erklärt, die Stadt Freiburg bei dieser Umfrage zu unterstützen.

3. Umfrage-Start und Umfrage-Rücklauf

Am 15.08.08 wurden alle 78 bundesdeutschen Städte mit über 100.000 Einwohnern angeschrieben mit der Bitte, den Fragebogen auszufüllen. Am 10.09.08 wurden alle Städte, die bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht geantwortet hatten, noch einmal per E-mail an die Beantwortung des Fragebogens erinnert.
Bis Mitte Oktober 2008 hatten 57 Städte den Fragebogen ausgefüllt zurückgeschickt.
Dies entspricht einer erfreulich hohen Rücklaufquote von 72 %.

4. Auswertung der Fragebogen und der zugesandten Unterlagen

In dem ersten Teil der Auswertung werden zunächst die Antworten auf die einzelnen Fragen in Bezug auf die Anzahl der Nennungen untersucht.
Im zweiten Teil wird versucht, die Beantwortung der 5 Fragen zu neuen Wohnformen auch qualitativ zu bewerten. Hierzu wurden zusätzlich die Unterlagen ausgewertet, welche einige Städte als ergänzende Information zum ausgefüllten Fragebogen zur Verfügung gestellt hatten.
Im dritten Teil der Auswertung werden 9 ausgewählte Städte vorgestellt, mit welchen Angeboten sie sich an die interessierten Bürgerinnen und Bürger wenden. Diese Praxisbeispiele der neun Städte werden durch vier bundesweit agierende Internetportale ergänzt, welche Informationen und Kontakte zu Neuen Wohnformen vermitteln.

Teil I – Quantitative Auswertung der Fragen:

Frage 1: Welche neuen Wohnformen gibt es in Ihrer Stadt?

1. In den meisten der befragten Städte (52) gibt es bereits betreutes Wohnen und ebenso barrierefreie Wohnungen.
2. In 44 Städten bestehen Wohn- und Hausgemeinschaften mit abgeschlossenen Privatbereichen und Gemeinschaftsflächen.
3. 31 Städte haben Mehrgenerationen-Projekte in jeder Größenordnung. In weiteren 17 Städten sind derartige Projekte in der Planung.
4. Senioren-Wohngemeinschaften sind ebenfalls noch sehr häufig anzutreffen (28) oder zumindest geplant (12).
5. Noch relativ selten sind Wohnpartnerschaften mit Wohnen für Hilfe und Wohnund
Hausgemeinschaften für Demenzkranke und gesunde Menschen.
„Wohnen für Hilfe“ – Projekte finden sich insbesondere in Städten mit Universitäten oder Hochschulen, da diese Möglichkeit zu einer preiswerten Wohnung zu kommen, besonders für Studenten und Studentinnen interessant ist.
6. Unter „Sonstiges“ wurde auf
- genossenschaftliche Wohnprojekte,
- Wohnprojekte von Behinderten mit Nicht-Behinderten,
- eine Wohngemeinschaft von Demenzkranken mit ambulanter Betreuung
- eine Alzheimer-WG
- ein Wohnprojekt für Sinti und Roma
- Wohngemeinschaften von SBG II – Empfängern
- Baugruppen-Projekte (ohne Gemeinschaftsflächen)
- Stadthauskonzepte verwiesen.

Frage 2: Welche der folgenden Instrumente werden in Ihrer Stadt angewendet?

1. Am häufigsten (51) helfen die Städte den Bürgern und Bürgerinnen bei der Inanspruchnahme von Fördermitteln.
2. In 46 Städten wird versucht, mit konkreten Maßnahmen die Qualität des Wohnumfelds zu verbessern.
3. Bei vielen Städten (41) beraten die Städte bei Wohnungsumbaukonzepten und Wohnungsanpassungen (Verbesserung der Grundrisse und Barrierefreiheit).
4. In bereits 40 der Städte erfolgt eine Hilfe bei der Suche/Vermittlung von Interessenten für gemeinschaftliches Wohnen und 39 der Städte helfen bei der Grundstückssuche und der Standortwahl.
5. Bei nur 12 Städten werden in der Bauleitplanung Flächen für experimentelles Wohnen ausgewiesen. Bei bisher nur 18 Städten werden Umzugshilfen oder ein Umzugsmanagement geboten. Bei 20 Städten wird eine Moderation bei der Durchführung des Projektes angeboten und bei ebenso vielen Städten erfolgt eine Bereitstellung bzw. Zurückhaltung von städtischen Grundstücken für innovative Projektgruppen. Allerdings beabsichtigen noch 12 weitere Städte für diese Gruppen städtische Grundstücke bereitzustellen!
6. Unter „Sonstiges“ wurde darauf verwiesen, dass
- bei Investorengesprächen auf den Einsatz von regenerativen Energien, auf den Einbau von Aufzügen (ab 2 Geschossen!) und auf eine frühzeitige Mieterbeteiligung eingewirkt wird;
- über städtebauliche Verträge eine Wertabschöpfung zugunsten einer sozialgerechten Bodennutzung erfolgt;
- Grundstücks-Bieter mit ökologischen Konzepten bevorzugt werden;
- Baugemeinschaften besondere Beratungsunterstützung in Anspruch nehmen können.

Frage 3: Welche Wohnformen unterstützt Ihre Stadt durch die unter Frage 2 genannten Instrumente?

1. Bei 54 Städten steht die Förderung von barrierefreiem Wohnen im Vordergrund.
2. Stark unterstützt werden außerdem Projekte mit betreutem Wohnen und Service-Wohnen (47).
3. 39 Städte fördern Wohn- und Hausgemeinschaften mit abgeschlossenen Privatbereichen und Gemeinschaftsflächen.
4. Ebenfalls noch sehr stark werden Mehrgenerationen-Projekte und Senioren-Wohngemeinschaften unterstützt (36).
5. Unter „Sonstiges“ wird darauf verwiesen, dass
- die generationengerechte Anpassung von Mietgebäuden durch Modernisierung und Instandsetzung
- die Herstellung von barrierefreien Zugängen zu Wohngebäuden
- Wohngruppen für Demenzkranke seitens der Städte gefördert werden.

Frage 4: Welche Ämter in der Verwaltung sind zuständig für das Handlungsfeld

„Neue Wohnformen“?

Hier wird deutlich, dass vor allem drei Fachbereiche besonders mit diesem Themenfeld befasst sind:
- Der Fachbereich Soziales / Sozialamt / Seniorenbüro / Altenhilfe
- Der Fachbereich Stadtentwicklung und Stadtplanung
- Der Fachbereich Wohnen / Amt für Wohnungswesen
Zum Teil werden auch das Liegenschaftsamt bzw. das Grundstücks- und Gebäudemanagement, das Amt für Statistik, das Gesundheitsamt, die Lokale Agenda oder die stadteigenen Wohnungsbaugesellschaften beteiligt.

Frage 5: Welche Kooperationen bestehen außerhalb der Verwaltung für das

Handlungsfeld „Neue Wohnformen“?

Hier gibt es folgende Schwerpunktbereiche, mit denen Kooperationen oder regelmäßige Abstimmungen und eine Zusammenarbeit erfolgen:
- Wohnungsbaugesellschaften und Wohnungsbaugenossenschaften – hierzu gehören auch Runde Tische
- Netzwerke wie „Regionale Seniorenwirtschaft“, Frauennetzwerke, Netzwerke „Nachhaltiges Bauen“
- Stiftungen
- Wohlfahrtsverbände
- Berufsgruppen wie Architekten
- Wohnungsbau-Kreditanstalten
- Lokale Agenda Gruppen
- Foren für Baugemeinschaften
- Kammern wie Architektenkammern
- Sanierungsträgern
Je nach der Diskussions- und Informationskultur in den einzelnen Städten werden diese Kooperationen entweder mit wenigen Trägern oder Gruppen – häufig aber auch mit sehr breiten Beteiligungsformen durchgeführt.

Teil II: Versuch einer qualitativen Auswertung der Fragen

Frage 1: Welche neuen Wohnformen gibt es in Ihrer Stadt?

Die Ergebnisse zu dieser Frage sind zunächst nicht überraschend: Die bekannten Wohnformen wie „Betreutes - Wohnen“ oder „Service-Wohnen“, „Wohn- und Hausgemeinschaften mit Gemeinschaftsflächen“ und „Mehrgenerationenprojekte“ sind häufiger anzutreffen. Die weniger bekannten Modelle - wie „Wohnen für Hilfe“ oder  „Wohngemeinschaften von Gesunden und Demenzkranken“ - sind seltener realisiert worden. In einigen Städten wurden bereits Mischformen geplant, bei denen nicht nur Jung und Alt sondern auch Gesund und Krank sowie Eigentum, Miete und  genossenschaftliche Wohnformen kombiniert werden.
Weiterhin hat die Befragung ergeben, dass mit zunehmender Stadtgröße auch die Vielfalt der neuartigen Wohnprojekte ansteigt, die bereits realisiert wurden oder gerade projektiert werden.

Frage 2: Welche der folgenden Instrumente werden in Ihrer Stadt angewendet?

Auch hier gilt, dass größere Städte meist auch vielfältigere Instrumente einsetzen.
Ein häufig genanntes Angebot besteht in der Organisation von runden Tischen und einer guten Informationspolitik – zum Beispiel über Fördermöglichkeiten oder über laufende Projekte - oder einem attraktiven Internetauftritt. Sehr gute Erfahrungen haben einige Städte mit der Einrichtung einer eigenen, zentralen Anlaufstelle gemacht, die den interessierten Bürgerinnen und Bürger zur Verfügung steht und die sich mit allen Fragen zum Thema neue Wohnformen befasst. Diese Stelle informiert über alle Projekte vor Ort, über Projektansprechpartner und Fördermöglichkeiten ebenso wie über die Methoden, Schwierigkeiten und Hilfen bei der Projektgruppenbildung, Moderation und Finanzierung.

Frage 3: Welche Wohnformen unterstützt Ihre Stadt durch die unter Frage 2 genannten Instrumente?

Eine Bewertung ist hier kaum möglich, da nicht gefragt worden war, mit welchen Instrumenten welche spezielle Wohnform unterstützt wird. Die vorliegenden Unterlagen zeigen auf, dass zurzeit die innovativen Wohnprojekte gleichartig und gleichwertig unterstützt werden.

Frage 4: Welche Ämter in der Verwaltung sind zuständig für das Handlungsfeld

„Neue Wohnformen“?

Besonders wichtig für die Behandlung des Themas Neue Wohnformen sind die Fachbereiche Wohnen, Soziales und Stadtplanung. Hier versuchen die Städte eine klare Zuständigkeits- und Aufgabenabstimmung zwischen diesen Bereichen vorzunehmen, um Reibungsverluste innerhalb der Verwaltung zu minimieren.
Ebenso wichtig ist die Klärung der Federführung bei diesem Thema, was bei den meisten Städten erfolgt ist. Der Fachbereich Wohnen wurde bei der Federführung am häufigsten genannt – dicht gefolgt von den Bereichen Soziales und Stadtplanung.

Frage 5: Welche Kooperationen bestehen außerhalb der Verwaltung für das

Handlungsfeld „Neue Wohnformen“?

Hier war das genannte Spektrum bei den Städten sehr unterschiedlich: Manche Städte beschränken sich auf eine Zusammenarbeit mit wenigen Akteuren – andere legen besonderen Wert auf eine Beteiligung möglichst aller potenziell betroffener Gesellschaften, Vereine, Netzwerke, Stiftungen und Kammern, weil eine solch breite Vernetzung wohl am ehesten der möglichen Vielfalt dieses Themas entspricht.

Teil III: Auswertung des Informationsmaterials

Die Stadt Freiburg hatte die angeschriebenen Städte darum gebeten, – soweit vorhanden – die zu dem Thema „Neue Wohnformen“ die veröffentlichten Materialien wie Flyer, Broschüren und sonstiges Informationsmaterial zur Verfügung zu stellen.
Die im Folgenden beispielhaft genannten Städte zeigen, dass in der Regel nicht nur ein Angebot oder eine Maßnahme, sondern meist mehrere Möglichkeiten bestehen, sich über das Thema Neue Wohnformen zu informieren oder zu engagieren.
Die folgende Darstellung der einzelnen Angebote erfolgt ohne inhaltliche Wichtung in
alphabetischer Reihenfolge der Städte:

1. Aachen (263.000 Einwohner – aufgerundete Einwohner im Jahr 2007)
1.1 Wie mehrere Städte in NRW hat Aachen eine Kontaktstelle „Neue Wohnformen“ eingerichtet, die dem Fachbereich „Wohnen“ zugeordnet ist. Hier werden alle Interessenten über alle realisierten und geplanten innovativen Wohnprojekte informiert, beraten und Kontakte vermittelt. Dabei erfolgt eine enge Zusammenarbeit mit „Älter werden in Aachen“, dem Immobilienmanagement, der Wohnraumförderung und der Volkshochschule (u. a.).
1.2 Zu wichtigen Themen werden Info-Blätter herausgegeben – wie beispielsweise zum Thema „Barrierefrei wohnen“, Fördermöglichkeiten für „Wohnungsanpassungen“ im Bestand (insbesondere durch zinsgünstige Darlehen des Landes NRW) sowie Organisation, Vorbereitung und Hilfe bei einem „Wohnungstausch“.
1.3 Im Internetauftritt www.wohnformen.aachen.de wird über alle wichtigen Inhalte und Termine zum Thema Neue Wohnformen informiert.
1.4 Im Jahr 2005 wurde ein Aachener Bündnis für Familie mit sechs Arbeitsgruppen eingerichtet. Eine der Arbeitsgruppen befasst sich mit dem Thema „Jung und Alt fürund miteinander“. Ziel ist die Umsetzung eines Mehrgenerationenhauses.

2. Berlin (3.416.000 Einwohner)
In Berlin können sich Interessenten für Neue Wohnformen und Neue Wohnformen im Alter an folgende Stellen wenden:
2.1 Beratungs- und Koordinierungsstellen in allen Verwaltungsbezirken der Stadt. Diese Beratungsstellen bieten älteren Menschen und deren Angehörigen kostenlose Informationen und Unterstützung im gesamten Bereich der Altenhilfe. Hierzu gehört auch die Suche nach einer altersgerechten Wohnung. Informiert wird über „Betreutes Wohnen“ bzw. „Wohnen mit Diensten“, über „Wohnungsanpassungen“ in Bezug auf die selbst genutzte Wohnung, über Möglichkeiten des „Gemeinschaftlichen Wohnens“ sowie über realisierte wie geplante „Gemeinschaftliche Wohnprojekte“.
2.2 Seit dem 01.04.2008 hat eine Beratungs- und Netzwerkagentur für generationsübergreifendes Wohnen ihre Arbeit aufgenommen. Diese Agentur ist die zentrale Anlaufstelle für alle Fragen und Interessenten zum diesem Thema.
2.3 Über das Internetportal www.berlin.de/wohnen-im-alter besteht ebenfalls die Möglichkeit, sich über alle Angebote, Hilfen und Projekte zu dem Thema „Wohnen im Alter“ zu informieren. Informationen und einen Überblick über alle laufenden generationenübergreifenden Projekte kann man sich über die Adresse www.wohnprojekte-berlin.info verschaffen.
2.4 Darüber hinaus werden Informationsveranstaltungen angeboten wie die Berliner Fachtagung „Neue Wohnformen im Alter“ vom 26.09.2007. Unter dem Leitbild: „Nicht allein und nicht in’s Heim“ wurde über die Entwicklung gemeinschaftlicher Wohnprojekte, die Rahmenbedingungen und Unterstützungsmaßnahmen im Land Berlin und über gelungene wie gescheiterte gemeinsame Wohnprojekte informiert und diskutiert. Das Ergebnis dieser Tagung wurde in einer Broschüre dokumentiert.

3. Bremen (548.000 Einwohner)
Im Zusammenhang mit dem demografischen Wandel erwartet Bremen eine deutliche Veränderung und Differenzierung der Wohnbedürfnisse und Wohnungsnachfrage. Neue Formen des Wohnens werden in Bremen dabei mit der Wohnversorgung der Älteren ebenso verknüpft wie mit der Förderung der Familie und deren Wohnbedürfnisse. In Bremen werden zu dem Thema Neue Wohnformen folgende Hilfen angeboten:
3.1 Entwicklung eines Handlungskonzeptes „Wohnen in Bremen – eine generationengerechte Adresse“ – im Jahr 2006 erstellt im Auftrag des Senators für Bau, Umwelt und Verkehr. Dieses Handlungskonzept definiert 6 wesentliche Handlungsfelder: Wohnungsbestand, Wohnungsneubau, Gemeinschaftliches Wohnen, Nachbarschaftliche Angebote, Generationengerechte Stadtteilentwicklung und Information/Marketing.
3.2 Vom Bremer „Verein für barrierefreies Bauen und Wohnen“ (kom.fort e.V.) wurden im Auftrag des Bausenators Konzepte für gemeinschaftliches Wohnen entwickelt. Auf der Grundlage einer Befragung bestehender Projektgruppen wurden Ideen und Wünsche zur Förderung gemeinschaftlicher Wohnprojekte gesammelt. Diese Wünsche bezogen sich von der Grundstücksbereitstellung, zentrale Information und Koordination, Förderungsmaßnahmen, allgemeine politische Unterstützung bis hin zur Anpassung der Zeithorizonte (z.B. bei dem Erwerb einer Immobilie) an die Bedürfnisse der Projektgruppen.
3.3 Ein Internetportal besteht bei dem Senator für Bau, Umwelt und Verkehr www.bauumwelt.bremen.de . Über Wohnprojekte informiert www.bremerwohnprojekte.
de .
3.4 Der Bremer Verein „Wohnen und Mehr (WuM) Bremen e.V.“ möchte interessierte Menschen jeden Alters und aus verschiedenen Lebenssituationen für selbstorganisierte, gemeinschaftliche Wohnformen interessieren, informieren und zusammenführen.

4. Chemnitz (245.000 Einwohner)
Die Stadt Chemnitz möchte neue Wohnformen in selbst gewählten Gemeinschaften unterstützen da sie positive Erfahrungen machen konnte in Bezug auf die hierdurch entstandenen guten Nachbarschaften, den Erleichterungen bei der alltäglichen Lebensführung, dem stärkeren sozialen Rückhalt und nicht zuletzt wegen der hiermit verbundenen Kostenvorteilen für alle Beteiligten. Aus diesem Grund wurde die Agentur „StadtWohnen-Chemnitz“ eingerichtet, welche interessierten Bürgerinnen und Bürger als Anlaufstelle dienen soll. Diese Agentur bietet folgende Dienste an:
4.1 Das Finden von Eigentümern unsanierter Immobilien und die Vermittlung von potenziellen Nutzern wie auch von Architekten;
4.2 Das Angebot einer Plattform für die Suche nach weiteren Mitstreitern für ein Wohnprojekt – Vermittlung von Eigentümer-Nutzer-Architekten-Teams;
4.3 Das Angebot der Moderation dieser Eigentümer-Nutzer-Architekten-Teams in der Anfangsphase;
4.4 Die Beratung aller Beteiligten einer Projektgruppe zu Fragen der Prozesssteuerung, Finanzierung und der Rechtsform;
4.5 Die Öffentlichkeitsarbeit und Werbung für die Idee des Kooperativen Bauens über das Internet, über Flyer zu verschiedenen Projekten sowie über Informationstermine und Objektbesichtigungen;
4.6 Die Erreichbarkeit über eine Internetadresse: www.stadtwohnen-chemnitz.de
4.7 Darüber hinaus hat sich im Kammerbüro Chemnitz der Architektenkammer Sachsen ein Arbeitskreis „Neue Wohnformen“ gebildet, der gemeinsam mit der Agentur StadtWohnen-Chemnitz verschiedene Wohn- und Nutzungskonzepte zu gemeinschaftlichem Wohnen und alternativem Wohnen in denkmalgeschützten Gebäuden entwickelt ( www.aksachsen.org ).

5. Düsseldorf (581.000 Einwohner)
Durch ein Wohnen in einer selbst organisierten Gemeinschaft, die über ein unverbindliches nachbarschaftliches Zusammenleben hinausgeht, verspricht man sich in Düsseldorf nicht nur mehr Sicherheit, sondern auch mehr Lebensqualität – und damit auch eine Antwort auf die Herausforderungen einer alternden Stadtgesellschaft.
Seit Beginn 2006 wurde deshalb im Wohnungsamt der Stadt Düsseldorf eine zentrale Anlaufstelle für die Themen „Neue Wohnformen“, „Gemeinschaftliche Wohnprojekte“ und „Mehr-Generationen-Wohnen“ für die Bevölkerung eingerichtet. Diese Anlaufstelle im Wohnungsamt nimmt dabei folgende Aufgaben wahr:
5.1 Die Unterstützung von Gruppen, die bereits konkrete Projektvorstellungen haben, bei der Suche nach geeigneten Grundstücken oder Bestandsobjekten sowie die Vermittlung von Kontakten zu geeigneten Investoren;
5.2 Die Aufbereitung und Vermittlung von Informationen aus Politik und Verwaltung. Das Wohnungsamt hat dabei die Aufgabe, die unterschiedlichen Ämteraktivitäten zu diesen Themen zu koordinieren.
5.3 Das Wohnungsamt vermittelt senioren- und behindertengerechte Wohnungen und leistet Hilfen bei Umzügen und bei geplanten Wohnungsanpassungen.
5.4 Das Amt bietet ein Internetportal über www.duesseldorf.de/ wohnen
5.5 Einen völlig neuen Weg haben Aktive aus den Düsseldorfer SeniorenNetzwerken mit Unterstützung des evangelischen Bildungswerkes Nordrhein eingeschlagen: Über die Einrichtung eines Fortbildungsprogramms „Kulturführerschein-®-Wohnen“ sollen Menschen im nachberuflichen Leben für ein breit gefächertes bürgerschaftliches Engagement in Nachbarschaft und Wohnumfeld gewonnen werden. Diese Lerngruppe bietet die Möglichkeit, sich vor der Suche nach einer geeigneten Wohnform intensiv mit seiner individuellen Lebenssituation und den eigenen Wohnwünschen auseinander zu setzen um dann selber Eigeninitiativen und neue Projektideen für den 3. Lebensabschnitt zu entwickeln.

6. Hannover (518.00 Einwohner)
Hannover versucht auf mehreren Wegen neuartige und vielfältige Wohnungsangebote zu bezahlbaren Preisen ebenso zu fördern wie auch zukunftsfähige Wohnqualitäten. Dabei wird  die angestrebte Qualität sowohl auf die Ästhetik, die Bauform als auch auf den Wohnungszuschnitt bezogen. Statt auf die Vorgabe eines einheitlichen Leitbilds setzt Hannover auf die Vorbildwirkung einer möglichst großen Vielzahl von unterschiedlichen Modellprojekten, die unter Mitwirkung der Bewohnerinnen und der Bewohner entwickelt wurden. Für die interessierte Bevölkerung stehen folgende Angebote zur Verfügung:
6.1 Das „Bürgerbüro Stadtentwicklung“ (BBS) hat sich 2003 in Eigeninitiative des Themas angenommen und stellt seither als Anlaufstelle allen Interessierten Informationen und Hilfen über das Thema „Realisierung von gemeinschaftlichen Bauund Mietprojekten“ zur Verfügung. Das BBS wird zwar von der Stadt Hannover finanziert – ist aber dennoch organisatorisch und inhaltlich unabhängig. Mit der Stadtverwaltung und der Stadtpolitik erfolgt ein regelmäßiger Austausch zu wesentlichen Stadtentwicklungsthemen. Das BBS bietet eine Erstberatung für Baugruppen und Bauträgern, engagiert sich bei der Suche nach geeigneten Grundstücken und Objekten und führt alle zwei Jahre eine Wohnprojektbörse durch.
6.2 Das Bürgerbüro Stadtentwicklung hat 2004 einen Leitfaden über die Durchführung gemeinschaftlicher Wohnprojekte herausgegeben, der 2008 komplett überarbeitet wurde. Diese Broschüre vermittelt alles, was man bei der Gründung einer Miet- oder Baugruppe wissen und beachten sollte. Neben Informationen und Empfehlungen zu wichtigen Themen wie Architektenauswahl, Finanzierung etc. gibt es Hinweise auf Ansprechpartner und Berater sowie Portraits bereits realisierter Projekte in Hannover.
6.3 Das BBS organisiert regelmäßig stattfindende Jour Fixe – Abende. Hier können sich Interessierte über relevante Themen, aktuelle Projekte und Problemlösungen informieren sowie Erfahrungen austauschen.
6.4 Über das Internet werden sowohl vom BBS ( www.bbs-hannover.de ) als auch vom EinFamilienhaus-Büro Hannover ( www.efh-buero.de ) Materialien und Hilfen angeboten.
6.5 Das BBS gründete darüber hinaus 2003 das Netzwerk „Baugemeinschaften in Hannover fördern“. Dieser fachübergreifende Verbund verschiedener lokaler Organisationen, Unternehmen und Akteure hat das Ziel, Einzelaktivitäten zu bündeln und bestehende Einrichtungen und Angebote zur Beratung von Bau- und Mietinteressierten besser nutzbar zu machen.
Sofern ein schlüssiges Konzept vorliegt, vergibt die Stadt Hannover finanzielle Hilfen zur Beratung durch Fachleute in der Anfangsphase eines Projekts und/oder reserviert Grundstücke für eine gewisse Zeit für Projektgruppen.

7. München (1.312.000 Einwohner)
Der Stadtrat von München hat 2006 über das Handlungsprogramm „Wohnen in München“ die wohnungspolitischen Leitbilder für die nächsten Jahre definiert. Hierzu gehören vorrangig die Ziele, bezahlbaren Wohnraum für Familien mit Kindern ebenso wie für einkommensschwache Haushalte zur Verfügung zu stellen wie auch die Herausforderungen des demografischen Wandels in Bezug auf den Wohnungsbau zu lösen: Sowohl der „Altengerechte Wohnungsbau“ als Alternative zum Alten- und Pflegeheim erfährt hierdurch einen Bedeutungszuwachs wie auch das Thema „Generationsübergreifende Wohnprojekte“. Neben barrierefreien Zugängen, die Einrichtung von Gemeinschaftsräumen, die Berücksichtigung der Sicherheitsbedürfnisse soll in München auf die Sicherung und den Ausbau der haushaltsnahen Infrastruktur künftig besonderen Wert gelegt werden.
7.1 Zur Unterstützung dieser Ziele hat das Referat für Stadtplanung und Bauordnung 2008 einen Leitfaden herausgegeben, der die künftigen Anforderungen an das Wohnquartier, an die privaten Freiflächen. an die Wohngebäude und an die Wohnung im Einzelnen auflistet und mit Beispielen dokumentiert.
7.2 Eine weitere Broschüre der Stadt München informiert über die Ergebnisse eines Ideenwettbewerbs aus dem Jahr 2006 zum Thema: “Wohngemeinschaft Demenz“.Darüber hinaus bestehen in München folgende Unterstützungsangebote für generationsübergreifende Projektgruppen:
7.3 Der Verein „Urbanes Wohnen München e. V.“ engagiert sich seit 1973 für gemeinschaftlich geplante und organisierte Wohnprojekte sowie für die attraktive Gestaltung des Wohnumfelds. Hierzu gehörten auch die Initiierung von ehrenamtlich organisierten Nachbarschaftshilfen und die Einrichtung von Mietergärten im Abstandsgrün ( www.urbanes-wohnen.de ).
7.4 Die „wagnis e. G.“ ist eine Münchner Wohnungsbaugenossenschaft, die sich auf gemeinschaftlich geplante, genossenschaftlich finanzierte Wohnprojekte mit Gemeinschaftsräumen, individuellen Wohngrundrissen und energiesparendes wie nachhaltiges Wohnen spezialisiert hat ( www.wagnis.org ). Werbeslogan: Neue Wohnformen nicht träumen sonder leben - Wohnen und Arbeiten in Gemeinschaft, natürlich, innovativ und selbstbestimmt.


8. Münster (273.000 Einwohner)
Auf Grund der zunehmenden Nachfragen privater Initiativen nach einer Unterstützung bei der Realisierung gemeinschaftlicher Wohnprojekte wurden in Münster folgende Angebote eingerichtet:
8.1 Im Jahr 2004 beim Amt für Wohnungswesen eine „Kontaktstelle für gemeinschaftliches Wohnen“ eingerichtet. Diese Kontaktstelle informiert über abgeschlossene und geplante gemeinschaftlich organisierte Wohnprojekte und vermittelt die für den Planungs- und Bauprozess wichtigen Kontaktadressen. Auf Grund der großen Nachfrage soll diese Kontaktstelle in Zukunft noch personell ausgebaut werden.
8.2 Eine Informationsmöglichkeit über das Internet besteht unter der Adresse
www.muenster.de/stadt/wohnungsamt .
8.3 Über das Handlungsprogramm „Soziale Stadt - Wohnen“ soll auch die Wohnzukunft für ältere und behinderte Menschen in Mietwohnungen verbessert werden. Ziel ist (u. a.) eine altengerechte und barrierefreie Gestaltung der Wohnungen und des Wohnumfelds.

9. Stuttgart ( 597.000 Einwohner)
Die Stadt Stuttgart hat im Jahr 2007 eine Expertenbefragung zum Stuttgarter Wohnungsmarkt durchgeführt. In dem hierzu veröffentlichten Bericht ist der Hinweis enthalten, dass die künftigen Bedarfs- und Nachfragegruppen zentrale Informationsangebote wünschen. Hierzu wird eine koordinierte Zusammenarbeit der Akteure am Wohnungsmarkt als auch ein Internetportal vorgeschlagen. Als überdurchschnittlich wichtig werden von den Experten in Stuttgart folgende Wohnformen angesehen: - das barrierefreie und betreute Wohnen im Alter, - das kinderfreundliche und preiswerte Wohnen, - großzügige Wohnformen mit Ausblick und gehobener Ausstattung, - das ruhige und ökologisch anspruchsvolle Wohnen, - das individuelle Wohnen auf der Parzelle und - das Wohnen in gründerzeitlichen Altbauten. Hierzu wird auch auf den Bundesverband für Wohnungseigentum und Stadtentwicklung hingewiesen, der die Nachfrage nach bestimmten Wohnformen auch in Abhängigkeit von den in jeder Stadt anders zu gewichtenden, verschiedenen Milieugruppen sieht.

10. Bundesweit tätige Organisationen zur Förderung neuer Wohnformen
Neben den Kontaktstellen der oben genannten Städte kümmern sich auch mehrere wichtige bundesweit tätige Organisationen um die Förderung neuer Wohnformen und den sparsamen Umgang mit Grund und Boden. In diesem Zusammenhang wird auf die folgenden Ansprechpartner bzw. Adressen verwiesen:

10.1 Stiftung trias: Die Stiftung Trias will Initiativen fördern, die sich um Fragestellungen und Projekte des sparsamen Umgangs mit Grund und Boden, der Verhinderung von Bodenspekulation und um die Realisierung Neuer Wohnformen bemühen ( www.stiftung-trias.de ).

10.2 wohnbund e.V.:
Der Wohnbund möchte – anknüpfend an die wohnreformerischen Bewegungen zum Beginn des 20. Jahrhunderts und der Selbsthilfebewegungen der 70ger Jahre der
herkömmlichen Wohnungspolitik Alternativen gegenüberstellen und zukunftsweisende wohnpolitische Initiativen und Projekte fachlich unterstützen ( www.wohnbund.de ).

10.3 Forum Gemeinschaftliches Wohnen e.V.
Der bundesweit tätige Verein „Forum Gemeinschaftliches Wohnen e. V.“ engagiert sich seit seiner Gründung im Jahr 1992 dafür, Wohnprojektgruppen zu initiieren, zu fördern und miteinander zu vernetzen. ( www.fgw-ev.de ). An diese Stellen können sich sowohl die Städte als auch interessierte Bürgerinnen und Bürger oder Projektgruppen wenden. Diese drei Ansprechpartner sind auch über das Internetportal www.wohnprojekte-portal.de zu erreichen.

10.4 Gemeinsam statt einsam – Internet-Netzwerk für alternative Wohnformen Die Internetadresse www.neue-wohnformen.de wurde durch die Zusammenarbeit mehrerer Institutionen – darunter dem Landratsamt Enzkreis und dem Evangelischen Diakonissenverein Siloah – entwickelt. Diese Adresse bietet insbesondere Informationen für die Altersgruppe 50+ sowohl über zahlreiche realisierte und in Planung befindliche, gemeinschaftsorientierte Wohnprojekte als auch eine Übersicht zu allen bundesweit stattfindenden Seminaren, Vorträgen und Arbeitskreisen zu diesem Thema. Darüber hinaus wird auch ein Fragebogen bzw. eine Checkliste angeboten, mit der Interessierte sich prüfen können, was sie von einem gemeinsamen Wohnprojekt erwarten und welche Wohnziele sie verfolgen.

10.5 Neues Wohnen im Alter e.V.
Der Verein „Neues Wohnen im Alter“ ist eine in Köln ansässige Kontakt- und Beratungsstelle, die Wohn- und Hausgemeinschaften von älteren Menschen sowie von Älteren und Jüngeren fördert und die sich für die Realisierung solcher Projekte einsetzt. Gleichzeitig soll das Bewusstsein für andere Wohnmöglichkeiten in der Öffentlichkeit geweckt werden ( www.nwia.de )

Teil IV: Zusammenfassung
Definition: „Neue Wohnformen“:
Unter „Neuen Wohnformen“ werden hier vor allem die von den späteren Nutzern gemeinschaftlich geplanten Eigentums-, Miet- oder genossenschaftlichen Wohnprojekte oder Wohnen-und-Arbeiten-Projekte verstanden. Sie beinhalten gleichzeitig meist auch alle wesentlichen nachhaltigen Aspekte sowohl in sozialer, in ökologischer als auch in ökonomischer Sicht. Die Neuen Wohnformen können deshalb auch als „Gemeinschaftliche Wohnformen“ bezeichnet werden. Die Neuen Wohnformen entsprechen dabei nicht einem einzig richtigen und auf alle Situationen übertragbaren Modell, sondern sie sind ebenso vielfältig und variantenreich, wie es Vorstellungen über Formen des Zusammenlebens geben wird. Aus der Kurz-Umfrage der Stadt Freiburg in Verbindung mit den zur Verfügung gestellten Materialien lassen sich folgende Aussagen und Thesen ableiten:
1. „Neue und Gemeinschaftliche Wohnformen“ sind ein umfassendes Thema: Das Thema „Neue und Gemeinschaftliche Wohnformen“ ist sehr komplex. Es umfasst zumeist gleichzeitig soziale, architektonische, stadtplanerische, freiraumgestalterische, finanzielle, organisatorische sowie rechtliche Inhalte und Themen bis hin zu gruppendynamischen und psychologischen Aspekten.
2. „Neue und Gemeinschaftliche Wohnformen“ sind gleichzeitig Neue Wohnformen im baulichen Sinn, ihnen liegt ein neuartiger Planungs- und Bauprozess zugrunde und sie beinhalten neue Formen des Zusammenlebens: Gemeinschaftliche Wohnformen werden regelmäßig nicht „für“ sondern „mit“ den künftigen Bewohnern entwickelt und umgesetzt. Gemeinschaftliche Wohnformen sind deshalb nicht nur eine neue Wohnform, die sich in neuen Grundrissausprägungen, neuen Gebäudeformen und neuen Gestaltungen des Wohnumfelds sowie neuen Formen des Planungs- und Bauprozesses ausdrücken kann, sondern die gleichzeitig auch neue Formen des Zusammenlebens umfasst.
3. Sowohl der Demografischer Wandel als auch der Wertewandel haben neue Ansprüche an die Wohnung, an das Wohnumfeld und an die Art des Wohnens zur Folge: Mit dem demografischen Wandel (besonders geprägt durch die Veränderungen in der Bevölkerungsstruktur und durch die Alterung der Gesellschaft) und dem Wertewandel (stark beeinflusst durch die Entwicklung von neuen Haushaltsstrukturen und neuen Lebensformen) wird sich das Nachfragegefüge auf den Wohnungsmärkten spürbar verändern. Die geänderten Ansprüche haben nicht nur Auswirkungen auf die Wohnung selbst, sondern zunehmend auch auf das Wohnumfeld, auf das Wohnquartier und dessen Ausstattung mit Infrastruktur und auf die Art des Wohnens. Einen Schwerpunkt werden dabei in Zukunft die neuen bzw. gemeinschaftlichen Wohnformen darstellen.
4. Neue und Gemeinschaftliche Wohnformen bieten interessante Vorteile: Über Neue Wohnformen kann das soziale Engagement und die Wohnzufriedenheit der Bürgerinnen und Bürger deutlich gesteigert werden – gleichzeitig können die Baukosten und Pflegekosten gesenkt werden:Besonders in den größeren Städten formieren sich immer mehr Bürgerinnen und Bürger, die andere Wohnformen als die der klassischen Wohnungsangebote suchen. Die bisher vorliegenden Ergebnisse zeigen, dass bei fast allen neuen Wohnmodellen die Wohnzufriedenheit der Bewohner besonders hoch ist, wenn sie selber bei der Grundrissgestaltung, der Wohnumfeldgestaltung oder bei organisatorischen und finanziellen Fragen mitarbeiten konnten. Oft kann eine höhere Bauqualität zu gleichen oder sogar niedrigeren Kosten (im Vergleich zu einem Bauträger) erreicht werden. Die Wohnzufriedenheit wird auch deshalb als überdurchschnittlich eingeschätzt, weil die sozialen Kontakte von Beginn an besonders intensiv und vielfältig sind. Dies verbessert nachhaltig die soziale Stabilität der Wohngemeinschaften und der Nachbarschaften. Wohn-Modelle auf gegenseitige Hilfe zeigen auf, dass zumindest „einfache Hilfen“ im Rahmen von nachbarschaftlichem Miteinander gut organisiert und gesichert werden können. Dies wird von Kommunen als eine Möglichkeit gesehen, in Zukunft diesen Kostenfaktor zumindest etwas steuern zu können.
5. Der Weg zu Neuen Wohnformen ist manchmal lang, oft auch mühselig und stellt häufig hohe Anforderungen: Die Projekte mit neuen Wohnformen kosten den Gruppen meistens sehr viel Kraft,Mühe und viel Engagement – sie bereiten andererseits aber auch Freude und bieten vielfältige bereichernde Erfahrungen.Die Gruppen müssen in der Lage sein, Ziele und Visionen zu entwickeln. Sie müssen ein Wohn-Konzept und einen Finanzierungsplan erstellen können. Sie müssen eine Verbindlichkeit der Gruppenzugehörigkeit erreichen, vielfältige Beschlüsse treffen, mit Behörden verhandeln und sehr schnell auf ein interessantes Grundstück- oder Immobilienangebot reagieren können. Dabei müssen auch immer wieder Konflikte im zwischenmenschlichen Bereich erkannt und gelöst werden. Um hier nicht zu scheitern, benötigen die Gruppen oft fachliche Hilfen von außen – zum Beispiel bei der Moderation – gegebenenfalls auch eine Supervision.
6. Viele Städte bieten ein generelles Beratungs- und Hilfsangebot für alle Interessierten an neuen Wohnformen an: Wie wohne ich – wie möchte ich künftig Wohnen – was gibt es hierfür an guten Beispielen? Viele Interessierte an neuen Wohnformen möchten sich vor dem Eintritt in eine Projektgruppe erst einmal informieren können, welche Projektarten oder welche Formen des Zusammenlebens ihnen zusagen, wie viel Nähe, wie viel Distanz und wie viel Hilfe auf Gegenseitigkeit sie persönlich tatsächlich möchten oder vertragen. Hier bieten die Städte eine breite Palette von Hilfen an: die Spanne reicht von einem „Leitfaden für gemeinschaftliche Wohnformen“ und möglichst vielen Vorzeigebeispielen (Hannover) und entsprechender Öffentlichkeitsarbeit bis hin zu dem Angebot eines Seminars über Neue Wohnformen im Sinne einer „Wohnschule“, in dem die Teilnehmer ihre Eignung für verschiedene Typen von gemeinschaftlichen Wohnformen überprüfen können (Düsseldorf).
7. Projektgruppen für neue Wohnformen brauchen fachliche Unterstützung und Hilfen bei dem oft anspruchsvollen Planungs- und Bauprozess. Städte helfen deshalb durch Beratung, beim Informationsaustausch, bei wichtigen Phasen der Moderation oder durch eine zentrale Anlaufstelle: Gemeinschaftlich orientierte Wohnprojekte können auf Grund der vielfältigen Prozess-Anforderungen an vielen Stellen scheitern. In sehr vielen Städten stehen diesen Gruppen deshalb Informationsunterlagen zu allen wichtigen Fragen, die im Prozessablauf entstehen können, zur Verfügung. Verschiedene Städte haben darüber hinaus eine zentrale Anlaufstelle eingerichtet, welche diese Projektgruppen begleitet und berät. Teilweise werden auch Hilfen bei der Moderation und auch Kurse angeboten, in denen die Interessierten über alle Schwierigkeiten und die wichtigen Fragestellungen informiert werden. Fast immer stehen auch die Erfahrungen und der Rat von Projektgruppen zur Verfügung, welche die verschiedenen Projektphasen bereits erfolgreich abgeschlossen haben.
8. Projektgruppen benötigen mehr Zeit und Unterstützung bei der Immobiliensuche und der Entscheidung für ein Grundstück oder Gebäude – Städte helfen deshalb durch Bereitstellung oder Vorhaltung von Immobilien: Eine wichtige Hilfe wird in verschiedenen Städten bei der Grundstücks- oder Objektsuche geboten. Ein zentrales Problem vieler Gruppen besteht darin, dass die zahlreichen Gruppenmitglieder generell wesentlich schwerfälliger in allen Finanzierungsfragen und bei der Entscheidung für ein Objekt agieren als ein konkurrierendes Immobilienbüro. Hier helfen deshalb einige Kommunen z. B. dadurch, dass sie kommunale Immobilien bevorzugt an solche Projektgruppen vergeben und diesen Gruppen den notwendigen Entscheidungszeitraum einräumen.
9. Die Zuständigkeit und Federführung für Neue Wohnformen in der Stadt sollte frühzeitig geklärt werden: Die vielen Aspekte des Themas haben zur Konsequenz, dass sich in den Städten meist mehrere Ämter immer nur etwas oder teilweise zuständig fühlen – sich aber kein Amt verantwortlich dieses Themas annimmt. Es ist deshalb wichtig, dass die Federführung und die Art wie der Umfang der verwaltungsinternen Abstimmung innerhalb der Stadtverwaltung frühzeitig geklärt wird.
10. Die Frage der künftig zu erwartenden Nachfrage nach verschiedenen Neuen Wohnformen kann nur für jede Stadt differenziert geklärt werden: Neue Wohnformen bzw. Gemeinschaftliche Wohnformen stellen in den Städten heute in Relation zum Gesamtangebot ein relativ kleines und meist noch sehr überschaubares Angebot auf dem Wohnungsmarkt dar. Aber sie werden als Alternativen zu dem gewohnten Angebot gesehen, die zunehmend an Attraktivität und an Nachfrage gewinnen, da sie Antworten und Lösungen auf die Anforderungen des demografischen Wandels und des Wertewandels bieten. Zur Frage der künftigen Nachfrage bzw. des konkreten Bedarfs zu den verschiedenen neuen Wohnformen in einer Stadt lassen sich kaum allgemeingültige Aussagen treffen. Es gibt einen Untersuchungsansatz der Firma empirica aus dem Jahr 2005, in dem versucht wird, die bundesweiten künftigen Veränderungspotentiale bei dem Haushaltstyp abzuschätzen, der in der Zukunft beabsichtigt oder bereit ist, in eine neue Wohnsituation umzuziehen ( www.empirica-institut.de ). Knapp zwei Drittel der Umzügler in der Generation 50+ sucht normale Wohnungen, das restliche Drittel Wohnungen mit zusätzlichen Ausstattungen oder Serviceangeboten. Eine weitere aktuelle Studie, die im Auftrag des Bundesverbandes deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmer GdW die „Wohntrends 2020“ untersucht, hat die Bedarfsabschätzung auf einer Milieustudie aufgebaut, bei der neben Alter und Einkommen auch Werteinstellungen berücksichtigt werden. Es wird deutlich, dass die sechs aufgezeigten Wohnkonzeptgruppen eine sehr unterschiedliche Einstellung zu neuen Wohnformen aufweisen (siehe Anlage 2). Da wir in jeder Stadt einen lokalspezifischen Wohnungsmarkt und eine ebenso unterschiedliche Bevölkerungszusammensetzung mit stark differierenden Wohnerfahrungen und Wohntrends vorfinden, kann die Abschätzung des Bedarfs zufrieden stellend nur vor Ort genauer geklärt werden. Dies gilt auch für die Beantwortung der Frage, was von den aktuellen Lösungen als eher kurzfristige Mode und was als stabile Tendenz angesehen werden kann. Fazit: Das Thema Neue Wohnformen wird als wichtiges Zukunftsthema betrachtet: Die Zukunft ist silbern! Diese Erkenntnis aus den Prognosen zum demografischen Wandel ist heute fast ebenso verbreitet wie die Forderung: „Nicht allein und nicht ins Heim“. Besonders die größeren Kommunen spüren bereits seit längerer Zeit die zunehmenden Nachfragen nach neuen gemeinschaftlichen Wohnformen - nicht nur bei der Generation 50+, sondern auch bei der Generation 35+.Die Bedeutung und Wichtigkeit dieses Themas wird insgesamt in den Verwaltungen und in der Politik bei immer mehr Städten für die Zukunft als eher hoch bis sehr hoch eingeschätzt. Die Neuen Wohnformen werden die bestehenden Wohnformen nicht ersetzen. Sie werden sich jedoch für viele Bürgerinnen und Bürger als attraktive Alternativen zum gewohnten Angebot etablieren und weiter entwickeln.

Anmerkung: Tabelle bitte im pdf-Format anschauen


Stadtplanungsamt Freiburg 19. November 2008
Umfragee der Stadt Freiburg zu "Neuen Wohnformen" 08.-11.2008
ja geplant nein
1 Wohn- und Hausgemeinschaften mit
abgeschlossenem Privatbereichen und mit
Gemeinschaftsflächen (3) 44 8 8
2 Nachbarschaftlich orientierte Projekte mit weniger
ausgeprägtem Gemeinschaftsbezug 26 8 14
3 Mehrgenerationen-Projekte jeder Größenordnung 31 17 11
4 Wohnprojekte auf Basis gemeinsamer Interessen
und Überzeugungen (z.B. religiös, feministisch,
tierfreundlich etc.) 26 8 15
5 Barrierefreies Wohnen (nach DIN 18024
und/oder 18025) (1) 52 4 1
6 Betreutes-/Service-Wohnen für ältere Menschen (1) 52 5 0
7 Senioren-Wohngemeinschaft 28 12 12
8 Wohnen für Hilfe – Wohnpartnerschaften für jung und alt 11 8 22
9 Wohn- und Hausgemeinschaften für demenzkranke und gesunde Menschen 16 8 21
10 Sonstige: (bitte kurz beschreiben) 9 2 2
Frage 1: Welche neuen Wohnformen gibt es in Ihrer Stadt?

Freiburg, den 31.03.2009
App. 4170/Herr Kemnitz
Anlage 2: Wohntrends 2020
Studie im Auftrag des GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilien-Unternehmen - 2008

1. Ausgangssituation:
Der demografische Wandel bewirkt eine deutliche Veränderung der Bevölkerungsund Altersstruktur. Die Individualisierung und damit die Differenzierung der Haushaltsstrukturen wird das Nachfrageverhalten auf den Wohnungsmärkten nachhaltig beeinflussen. Dabei wird - die Versorgung der einkommensschwachen Haushalte auch in Zukunft eine
zentrale Aufgabe der Wohnungswirtschaft bleiben.- sich eine weiter zunehmende Verflechtung der Funktionen Wohnen und Arbeiten vollziehen. - sich der Trend zur Verkleinerung der Haushalte – wenn auch abgeschwächt – fortsetzen. - der Anteil der Alleinerziehenden weiter zunehmen. - bei weiter ansteigenden Energiepreisen die Gesamtmiete zu dem entscheidenden Kostenmaßstab. - die Akzeptanz für neue technische Lösungen in der Wohnung hoch sein, sofern diese bezahlbar sind. - die zukünftigen Seniorenhaushalte zunehmend auch gemeinschaftliche Wohnkonzepte verfolgen. - der Wunsch nach Kommunikation die Nachfrage nach Wohnformen steigern, bei denen Gemeinschaftlichkeit in sozialer und ökonomischer Sicht eine wichtige Rolle spielen. - im Zusammenhang mit der zunehmenden Vielfalt der Lebensstile verstärkt auch der Wunsch auftreten, mit Gleichgesinnten zusammen oder in Nachbarschaften zu wohnen.
2. Für Bedarfsabschätzungen sind die Berücksichtigung von Milieugruppen und deren sehr unterschiedliche Wertorientierungen wichtig: Nach Ansicht der Gutachter reichen zur Klärung der künftigen Bedürfnisse und Nachfragen nicht mehr wie früher die Kriterien Alter, Haushaltsgröße und Einkommensniveau. Vielmehr wird die künftige Nachfrage sowohl von den soziodemografischen und den ökonomischen Einstellungen – aber auch von sehr
unterschiedlichen Wertorientierungen bestimmt.
3. Es lassen sich sechs Wohnkonzepte definieren und voneinander abgrenzen: (Die Prozentangaben beziehen sich auf das gesamte Bundesgebiet)
3.1 Das solide-bescheidene Wohnkonzept: Diese Gruppe ist mit seiner jeweiligen Lebenssituation häufig nicht zufrieden. Es fehlen aber die materiellen und sonstigen Voraussetzungen zur Verbesserung der Lebenslage. Es herrscht Skepsis gegenüber allem Neuen und Fremden. Diese Hauhalte kommen in allen Altersstufen vor und leben häufig von Transfereinkommen. Der Anteil liegt heute bei 25% - Tendenz abnehmend.
3.2 Das anspruchsvolle Wohnkonzept: Für diese Gruppe ist Leistung wichtig. Sie ist meist intellektuell geprägt. Sie stellt hohe Anforderungen an die Wohnung und an das Wohnumfeld. Man ist vielseitig interessiert und kulturell oder sportlich engagiert. Auch hier sind alle Altersgruppen vertreten. Es besteht ein ausgeprägtes Umweltbewusstsein. Optimierungsbestrebungen führen häufig zu Veränderungen der Lebens- und Wohnsituation. In dieser Gruppe befinden sich alle Altersgruppen und Haushaltstypen. Die Wohnkaufkraft ist überdurchschnittlich. Der Anteil liegt heute bei 21% - Tendenz zunehmend.
3.3 Das häuslich-familiäre Wohnkonzept:Diese Gruppe ist stark nach innen orientiert – jedoch gleichzeitig fest in Nachbarschaften und sozialen Netzwerken integriert. Familiäre Werte bilden den zentralen Bezugspunkt und bestimmen den Bedarf an Wohnraum und Infrastruktur. Gefordert wird ein familiengerechtes Wohnumfeld. Der Anteil liegt heute bei 17% - Tendenz gleichbleibend.
3.4 Das kommunikativ-dynamische Wohnkonzept: Dies ist eine eher progressive und life-style-orientierte Gruppe, die offen und aufgeschlossen gegenüber neuen Entwicklungen ist und sehr kommunikativ auftritt. Das Leben spielt sich in der Gemeinschaft ab. Neben persönlichen Kontakten werden auch virtuelle Netzwerke gepflegt. Wichtig ist das urbane Umfeld. Hier sind stark die jungen Single- und Paarhaushalte sowie Berufsanfänger vertreten. Der Anteil liegt heute bei 15% - Tendenz zunehmend.
3.5 Das konventionell-situierte Wohnkonzept:Diese Gruppe ist konservativ geprägt und weist eine hohe Lebenszufriedenheit auf.Wirtschaftlich und sozial wurde das erreicht, was man angestrebt hat. Obwohl eine vorsichtige Offenheit gegenüber neuen Entwicklungen besteht, ist ein Veränderungswunsch nicht sehr ausgeprägt. Die Haushalte sind älter bzw. in der post-familiären Phase (45-65-Jahre) und weisen eine mittlere Wohnkaufkraft auf. Bei älteren Haushalten besteht der Wunsch nach einer seniorengerechten Ausstattung. Der Anteil liegt heute bei 15% - Tendenz abnehmend.
3.6 Das einfach-funktionale Wohnkonzept: Dies ist eine bürgerlich geprägte Gruppe, welche zufrieden ist mit ihre Lebenssituation und die einen geordneten Alltag schätzt. Das Leben ist eher nach Innen gerichtet. Das Fernsehprogramm nimmt einen zentralen Platz ein. Man arrangiert sich, mit dem was man hat. Das Alter liegt bei 65+ und weist eine niedrige bis mittlere Wohnkaufkraft auf.
3
Der Anteil liegt heute bei 7% - Tendenz zunehmend.
4. Die Wohnkonzepte vor Ort haben deutlich andere Schwerpunktverteilungen:
Die quantitativen Anteile der sechs Wohnkonzepte unterscheiden sich in den
bundesdeutschen Städten und Regionen deutlich voneinander. So sind
beispielsweise Haushalte mit einem kommunikativ-dynamischen Wohnkonzept in
studentisch geprägten Mittelstädten deutlich überrepräsentiert.
Für die Entwicklung von zukunftsorientierten Strategien ist es wichtig, nicht nur die
spezifische Verteilung der aufgeführten Wohnkonzepte zu ermitteln, sondern auch
deren zukünftige Entwicklung darzustellen.
Den Wunsch nach neuen Wohnformen wird man vor allem bei der Gruppe 3.4 mit
dem kommunikativ-dynamischen Wohnkonzept antreffen – aber - in einem
entsprechend reduzierten Umfang - sicher auch bei den Gruppen 3.2 mit dem
anspruchsvollem Wohnkonzept und 3.3. mit dem häuslich-familiären Wohnkonzept.
Eine genauere Analyse und Abschätzung der künftigen Nachfrage nach neuen
Wohnformen vor Ort kann nur auf der Grundlage der lokalspezifischen Daten
erfolgen. Es kann davon ausgegangen werden, dass die Nachfrage nicht nur von der
Größe und der künftigen Entwicklung der einzelnen Milieugruppen, sondern ebenfalls
von den lokalen Wohn-Erfahrungen der Bewohnerschaft und den vor Ort erlebbaren
positiven (wie negativen) Vorbildern und Beispielen geprägt wird.