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Erfahrungsbericht einer Bewohnerin

Freia von Kajdacsy, eine agile, zierliche, jünger wirkende Endsechzigerin, erzählt: „Ich bin die Älteste im Arche-Hausverein und von Anfang an dabei.“ Es sei ein sehr langer Prozess gewesen. 2004 wurde das Modell vorgestellt. Ein halbes Jahr dauerte es, bis die Kerngruppe sich gebildet hatte und 3 ½ Jahre bis zum Einzug, eine sehr aufregende und arbeitsintensive Zeit. „Es war immer Kampf, der Kontakt zu den Behörden, zu den Banken, die Sorge um die Direktkredite, ständig Umwälzungen, Termindruck und auch immer Ängste, ob es klappt.“ Ihre Ausbildung als Innenarchitektin war dabei sehr nützlich, denn dadurch konnte sie immer zwischen den Architekten und den künftigen Bewohnern vermitteln und die Grundrisse mitgestalten.

Gerade als der Grundstein gelegt wurde, gab es aus vielerlei Gründen Veränderungen in der Kerngruppe. Erst da entstand die Idee, junge Leute in das Projekt aufzunehmen, Einelternfamilien mit kleinen und etwas größeren Kindern.

Das Miteinander von Jung und Alt klappe gut, für alle ist es eine Selbstverständlichkeit, sich gegenseitig zu helfen. Als sie z.B. von ihrem Arzt in die Klinik eingewiesen und mit dem Rettungswagen abgeholt wurde, bemerkte das eine Nachbarin und war schon kurz nach der Einlieferung in der Notfallaufnahme. Sie informierte die Nachbarn, Freunde und Verwandten. Als Freia von Kajdacsy von der Klinik nach Hause kam, erwartete sie ein Blumenstrauß vor der Wohnung. Die Älteren unterstützen die Jüngeren bei der Kinderbetreuung. Leon, ein Siebenjähriger, käme gern zu ihr, wenn der Papa mal keine Zeit habe. Er freut sich, wenn er mit ihr und einem ihrer „Leih-Hunde“ spazieren gehen darf. „Ich bin Leons Wahloma“, berichtet sie lachend, „und am 14. Februar erwarten wir Nachwuchs.“ Alle sind plötzlich eine große Familie, wollen helfen und freuen sich auf das Baby.

Bei ihrem Einzug habe sie sich mehr Gemeinschaftlichkeit gewünscht, mehr gemeinsame Unternehmungen, Musizieren, Tanzen. Doch da gingen die Interessen von Jung und Alt auseinander. Die jungen Mütter wollen im Sommer mit ihren Kindern baden gehen, die Älteren lieber wandern. Sie glaubt aber, dass jetzt nach einem Jahr des Etablierens die Zeit für mehr Gemeinsamkeit, das Einbringen von Ideen in die Gemeinschaft kommen könne. Das Haus bietet sich in seiner Architektur mit seinen Laubengängen und dem Innenhof für ein Miteinander geradezu an. Überhaupt sei die Architektur gelungen, die Wohnungen lichtdurchflutet, mit Parkett und Fußbodenheizung. „Wo gibt es das im sozialen Wohnungsbau,“ sagt Freia von Kajdacsy stolz und sieht richtig zufrieden aus.

 

Aufgezeichnet von Heide Pasquay